Kräfteverhältnisse beim MotoGP-Auftakt: Das ist nicht die ganze Wahrheit
Aprilia liegt vorne, Ducati hat seine Dominanz eingebüßt und Yamaha fährt hinterher. Lassen sich die MotoGP-Ergebnisse beim Saisonstart im Glutofen Thailand so einfach formulieren? Wir blicken tiefer.
Immer, wenn sehr heiße Bedingungen herrschen, hat Reifenhersteller Michelin besondere Gummimischungen dabei, damit es die Fahrer über die Renndistanz schaffen. Wie wir in Buriram gesehen haben, gelang das nicht jedem: Wer zu forsch begann oder zu aggressiv fuhr, ging das Risiko ein, dass sein Hinterreifen kollabiert.
Ich will nicht über Reifen philosophieren, denn sie sind schwarz, rund und von Michelin. Alle Hersteller haben die gleichen zur Verfügung und kennen die Voraussetzungen. Doch wann immer abnormale Bedingungen herrschen, auf dem Chang Circuit heizte sich der Asphalt bis auf 55 Grad Celsius auf, sind außergewöhnlichen Ergebnissen Tür und Tor geöffnet.
Marc Marquez: «Bei KTM war es Acosta»
Ohne seinen Sturz im Sprint hätte Marco Bezzecchi beide Rennen in Thailand in überragender Manier gewonnen. Oder wie es Marc Marquez formulierte: «Wenn du vier Aprilia vorne siehst, dann liegt es an Aprilia. Plus Bezzecchi, er flog das ganze Wochenende und machte nur im Sprint einen Fehler. Bei KTM war es Acosta. Davon abgesehen, sind wir nicht weit weg. Wie die Kräfteverhältnisse wirklich aussehen, kann ich erst in Jerez beantworten.»
Was Marc Marquez über KTM und Acosta sagt, lässt sich auch auf ihn und Ducati anwenden. Ohne den Weltmeister, er schied in der 21. von 26 Runden mit starkem Vorwärtsdrang auf Platz 4 liegend
Pecco Bagnaia sieht ein Krise aufziehen
Pecco Bagnaia sieht nach seinem neunten Platz
Möglicherweise lag es aber auch am zweifachen Champion und nicht am Motorrad. Als 15. im Zeittraining verpasste er den direkten Einzug ins Qualifying 2 deutlich. Und auch im Q1 brachte er keine schnelle Runde zusammen, schied als Dritter aus und stand damit auf Startplatz 13. Zusammengefasst waren ihm über das Wochenende Lenovo-Teamkollege Marc Marquez und Di Giannantonio (VR46) deutlich voraus.
Marc Marquez ist nach seiner langen Verletzungspause noch nicht komplett genesen und muss seine körperlichen Einschränkungen mit angepasstem Stil kompensieren. Das führt dazu, dass er «sehr seltsam» fahren muss, wie es der Spanier beschrieb. Marc geht davon aus, dass sich sein Zustand mit jeder Runde verbessert und wir ihn schon bald wieder in Normalform sehen. Niemand muss überrascht sein, wenn er auf dem Circuit Of The Americas in Texas bei den Rennen Ende März ein Feuerwerk zündet.
KTM mischt mit Pedro Acosta (Sieg und Zweiter) vorne mit,
Honda hatte vor 228.228 Fans (summiert über drei Tage) den Speed für die Top-6, der größte Hersteller konsolidiert seinen Aufwärtstrend.
Sämtliche Stärken der Yamaha sind weg
Ganz anders Yamaha. Mit der Umstellung vom Reihenvierzylinder auf den V-Motor hat die Marke mit den drei Stimmgabeln im Logo – zumindest in der Hitze Südostasiens – erst mal
Ex-Weltmeister Quartararo ist die Verzweiflung nach jeder Session ins Gesicht gemeißelt und Superbike-Gigant Toprak Razgatlioglu fährt nicht nur hinterher, weil er noch Zeit braucht, um sich an die Maschine und die Reifen anzupassen. Rennchef Paolo Pavesio hat in Buriram eingeräumt, dass Yamaha einen sehr steilen Berg zu erklimmen habe und noch monatelange harte Arbeit vor ihnen liege, bis sich der Konzeptwechsel positiv bemerkbar macht – hoffentlich.
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