MotoGP: Pedro Acosta über seine Ansprüche

Die Mutation vom Empfänger zum Sender

Kolumne von Friedbert Holz
Friedbert Holz und Wolfgang-Peter Flohr: Was sagen wir jetzt der Presse?

Friedbert Holz und Wolfgang-Peter Flohr: Was sagen wir jetzt der Presse?

​Wie es ist, plötzlich auf der anderen Schreibtisch-Seite zu sitzen: meine erste Pressekonferenz beim Tourenwagen-Rennen in Monza, als Sprecher für Motorsport bei BMW.

In meinem Beruf, zuerst bei zwei Tageszeitungen, danach bei drei Auto-Magazinen, war ich schon oft bei Pressekonferenzen, zu unterschiedlichen Themen. Dabei musste ich nicht viel tun: mich anmelden, hinreisen, geduldig Vorträge anhören, im besten Fall einen Pressetext mitnehmen, im härtesten Fall auch mal unangenehme Fragen stellen. Oft gab’s dabei gutes Essen und ein cooles Nachtquartier, manchmal sogar ein Geschenk. Ich wurde hofiert, war ja der Empfänger, der Gast.

Nun aber, im Januar 1987, nach zwölf spannenden Jahren als Journalist, sollte ich selbst meinen Kollegen eine solche Konferenz bieten.

Denn ich hatte die Seite des Schreibtischs gewechselt, in die Presseabteilung von BMW, ich war zuständig als Sprecher für Motorsport.

Hier erwartete mich schon sehr bald ein Sprung ins kalte Wasser, ins Ungewisse: Am 22. März sollte der erste Lauf zur neu geschaffenen Tourenwagen-Weltmeisterschaft mit dem ebenfalls nagelneuen BMW M3 im Autodromo von Monza über die Bühne gehen – mit einer entsprechenden Pressekonferenz davor.

Zwar wusste ich, wie eine solche Veranstaltung aussehen könnte, zwar gab mir Amtsvorgänger Uwe Mahla kollegiale Tipps. Und doch musste ich quasi bei Null anfangen, kontaktierte erst einmal den Pressechef von BMW Italia, Gianni Oliosi.

Noch nie zuvor hatte ich ihn kennengelernt, er sprach zum Glück gut Deutsch. Wir trafen uns schließlich im Fahrerlager der Traditions-Rennstrecke im ehemaligen Königspark von Monza, Oliosi hatte auch die Dame einer Agentur im Schlepptau – sie sollte den Hauptanteil der nun nötigen Aufgaben organisieren.

Das aber war leichter gesagt als getan, denn weder im Paddock noch in der damals schon überaus maroden Boxengasse gab’s einen geeigneten Raum für eine Pressekonferenz. Nur ein kleines Ristorante, etwa 800 Meter vom Fahrerlager entfernt, konnte ein entsprechendes Ambiente bieten. Allerdings musste der dortige Gastraum etwas umgebaut werden, wir brauchten eine Bestuhlung wie im Theater, eine Leinwand sowie einen Projektor, ein Beamer war damals noch Science Fiction.

Um den geladenen Medien Bilder unserer Teams, der Fahrer und des neuen Autos zeigen zu können, entschieden wir uns, ganz old-school-mäßig, schließlich für einen Dia-Projektor samt Dias. Ende der 1980er Jahre konnten diese Gegenstände aber nicht einfach ins Auto geladen und nach Italien transportiert werden, es brauchte dafür ein so genanntes Carnet. Dieses war bei Ein- und Ausreise am Brenner dem Zoll vorzuzeigen, welch ein Aufwand!

Für noch weniger Verständnis, dafür aber umso mehr Ärger sorgte die damalige Pressestelle der FIA, es ging ja um einen Weltmeisterschaftslauf. Wir wollten Akkreditierungen für unsere Medien-Gäste gesammelt abgeben, inklusive Paddock-Tickets und Foto-Erlaubnisse. Dieser gut gemeinte Plan aber gestaltete sich, trotz aller von den Journalisten besorgten Daten und zeitiger Anlieferung bei den hohen Motorsport-Herren in Paris zu einem Spießruten-Lauf – die Inquisition im Mittelalter kann nicht schlimmer gewesen sein. Dass unsere Bemühungen sich bei einem anderen Rennen einmal positiv für uns auszahlen würden, ahnten wir damals noch nicht.

Schließlich konnten die Journalisten anreisen, Flugtickets, Hotelzimmer und FIA-Pässe waren besorgt, auch besagte Pressekonferenz konnte stattfinden.

Allerdings hatten wir uns mangels Erfahrung in der Uhrzeit dieser Veranstaltung verrechnet: Zwischen dem geplanten Ende unseres Events und dem Beginn des Zeittrainings hatten wir zu wenig Zeit-Puffer eingerechnet. Und so verließen einige Presseleute die Konferenz schon vorzeitig, sehr zum Unwillen meines damaligen BMW-Motorsportchefs Wolfgang-Peter Flohr.

Dieser Lapsus sollte aber noch nicht das wirklich dicke Ende dieses Wochenendes sein. Denn mir war ein weiterer Fehler unterlaufen – ich hätte als Pressesprecher nicht gleich nach Rennende den Park von Monza verlassen dürfen. Denn bei der technischen Kontrolle im Parc fermé wurden alle sechs BMW M3, die in dieser Reihung auch das erste Rennen gewonnen hatten, wegen angeblich zu dünner Dächer disqualifiziert und aus der Wertung genommen, ein handfester Skandal.

Davon aber erfuhr ich zu einer Zeit, als noch niemand ein Mobiltelefon besaß, erst bei meiner Rückkehr im Münchner Büro. Und auf die Frage meines Chefs, was wir denn nun den Medien erklären sollten, hatte ich zunächst keine Antwort.

Letztlich entschied ich mich, nachdem ich diesen Vorgang intern recherchiert hatte, für die Wahrheit. Diese Vorgehensweise sollte sich später im Jahr auch als richtig, weil ehrlich erweisen.

Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.


Diesen Artikel teilen auf...

Mehr über...

Siehe auch

Razgatlioglu zu Honda: Das wäre ein Paukenschlag!

Von Ivo Schützbach
In der MotoGP- und Superbike-WM kriecht Honda langsam aus der Versenkung und sorgte zuletzt für Achtungserfolge in beiden Klassen. Könnte Toprak Razgatlioglu auch für die Japaner zum Heilsbringer werden?
» weiterlesen
 

TV-Programm

  • Fr. 04.04., 10:15, Hamburg 1
    car port
  • Fr. 04.04., 11:05, Motorvision TV
    On Tour
  • Fr. 04.04., 12:20, Motorvision TV
    US Pro Pulling
  • Fr. 04.04., 12:45, Motorvision TV
    Top Speed Classic
  • Fr. 04.04., 14:05, Motorvision TV
    Super Cars
  • Fr. 04.04., 15:35, Motorvision TV
    Extreme E Highlights
  • Fr. 04.04., 16:25, Motorvision TV
    Classic Races
  • Fr. 04.04., 16:50, Motorvision TV
    Goodwood
  • Fr. 04.04., 17:40, Motorvision TV
    Car History
  • Fr. 04.04., 18:35, Motorvision TV
    Top Speed Classic
» zum TV-Programm
6.89 24030830 C0404054511 | 4