MotoGP: KTM-Rennchef über Regelverstoß

Fazit von Pit Beirer nach US-GP: «Unprofessionell»

Von Thomas Kuttruf
Zwei Leidtragende des Austin-Startchaos waren KTM-Piloten. Rennsport-Direktor Pit Beirer zeigte entsprechend wenig Verständnis für das Handling der MotoGP-Offiziellen. Doch jetzt muss es wieder ums Kerngeschäft gehen.

Auch Tage nach dem Red Bull Gran Prix of the Americas bleibt das von Marc Marquez herbeigeführte Chaos mit Abbruch und Neustart ein Thema. Noch immer herrscht an vielen Stellen Unverständnis über die Entscheidung der Offiziellen, den regulären Startvorgang abzubrechen.

Unstrittig bleibt: Die Rennleitung hatte sich mit der Startverschiebung über das eigene Reglement hinweggesetzt und die Situation in der Boxengasse zum Ausnahmezustand mit Sicherheitsrisiko erklärt.

Profiteure des erfolgreich provozierten Abbruchs waren sämtliche MotoGP-Piloten, die sich mit Regenreifen in der Startaufstellung für die Aufwärmrunde bereitgemacht hatten. Sie alle hatten die Lage bei den Moto2-Kollegen verfolgt. Auf gleichfalls feuchter Piste trocknete es nur langsam ab – doch Temperatur und Luft spielten den Piloten einen Streich – und es wurde nun schnell trocken.

Insgesamt hatten nur drei Piloten aus Gefühl richtig von Anfang an auf Slicks gesetzt: Trackhouse-Rookie Ai Ogura plus die beiden KTM-Athleten Brad Binder und Enea Bastianini. Der klare Vorteil wurde von der Fehlentscheidung zunichtegemacht; der Neustart hatte die Lage neutralisiert.

Trachhouse-Teammanager Davide Brivio war im Tumult des Neustarts detoniert und hatte sich äußerst temperamentvoll über die Situation beschwert. Weniger laut, aber in der Sache gleich scharf kommentierte auch der Motorsportchef der Österreicher die Lage. Pit Beirer: «Keine Frage, das, was da am Sonntag von den Offiziellen gezeigt wurde, war unglücklich und unprofessionell zugleich. Hier wurde anders verfahren, als es das Reglement sagt. Die Situation, die wir erlebt haben, ist klar abgedeckt. Wenn neun Fahrer die Startaufstellung verlassen, ist es eindeutig – diese neun Fahrer starten aus der Boxengasse und bekommen eine Durchfahrtsstrafe, so ist es festgelegt.»

Beirer, der als ehemaliger Profiathlet wie nur wenige auch die Sicht der Piloten nachvollziehen kann, weist nach dem COTA-Chaos auch darauf hin: «Es gibt in diesem Fahrerlager Regeln für einfach alles. Fährst du in der Boxengasse 1 km/h zu schnell – Strafe. Berührst du draußen das Grün mit einem Millimeter deines Bikes – Strafe, und wenn du in der Startaufstellung die falsche Hose anhast, ist es auch nicht recht. Wenn alles so reguliert und konsequent behandelt wird – dann muss das auch überall gelten.»

Der Hauptverantwortliche der KTM-Rennsportaktivitäten will sich dennoch sofort wieder auf die eigenen Aufgaben konzentrieren und ergänzt: «Es ist nicht zielführend, sich weiter mit Protestgedanken herumzuschlagen, es ist so passiert.»

Der Deutsche weiter: «Wir dürfen auch nicht übersehen, obwohl Brad und Enea – und auch Ai Ogura – sehr wahrscheinlich einen vollen Glückstreffer gelandet hätten, wir müssen an unserer regulären Performance unter allen Bedingungen arbeiten.»

Die war beim US-Grand-Prix weiterhin wechselhaft und wurde zudem durch technische Störungen an den RC16 und Vinales und Binder zusätzlich gehemmt. Nach sechs Rennen sind zwar Höhepunkte auf einer Runde auszumachen, doch über die Distanz erreichten die Red Bull-KTM-Rennfahrer noch keinen Spitzenplatz. Brad Binder holte bislang 19 Punkte und liegt als bester RC16-Fahrer auf WM-Rang 11.

Ein Top-Resultat der wetterfühligen KTM-Piloten hätte der Stimmung im Lager der Österreicher gutgetan – und wäre nur fair gewesen. Die Wettervorhersage für das nächste MotoGP-Event ist eindeutig. Dass KTM in Losail auch unter regulären Bedingungen sehr konkurrenzfähig sein kann, bewies Brad Binder 2024. Zweimal staubte der KTM-Veteran Platz 2 ab.

WM-Stand nach 6 von 44 Rennen:

1. A. Marquez, 87 Punkte. 2. M. Marquez 86. 3. Bagnaia 75. 4. Morbidelli 55. 5. Di Giannantonio 44. 6. Ogura 25. 7. Zarco 25. 8. Bezzecchi 24. 9. Marini 20. 10. Miller 19. 11. Binder 19. 12. Bastianini 16. 13. Acosta 16. 14. Quartararo 16. 15. Mir 10. 16. Rins 10. 17. Viñales 6. 18. R. Fernandez 25. 19. Aldeguer 3. 20. A. Fernandez 3. 21. Oliveira 2. 22. Savadori 1. 23. Chantra 0.

Konstrukteurs-WM:
1. Ducati, 111 Punkte. 2. Honda 36. 3. KTM 34. 4. Aprilia 33. 5. Yamaha 28.

Team-WM:
1. Ducati Lenovo Team, 161 Punkte. 2. Pertamina Enduro VR46 Racing 99. 3. BK8 Gresini Racing 90. 4. Red Bull KTM Factory Racing 35. 5. Trackhouse MotoGP Team 30. 6. Honda HRC Castrol Team 30. 7. Monster Energy Yamaha 26. 8. Aprilia Racing 25. 9. LCR Honda Castrol 25. 10. Prima Pramac Yamaha Racing 24. 11. Red Bull KTM Tech3 22.

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