Brivio (Trackhouse) zu Start-Chaos: «Alles verloren!»
MotoGP-Veteran Davide Brivio, der nach seinem Ausflug in die Formel 1 zu Beginn der Saison 2024 die Leitung beim neu formierten Team Trackhouse Racing übernommen hatte, ist seit Jahrzehnten im Geschäft des Profi-Rennsports, doch so eine bizarre Situation hatte der Italiener noch nicht erlebt.
In den letzten Momenten vor dem Beginn zur Aufwärmrunde hatte Ducati-Werksfahrer Marc Marquez mit einem Sprint aus der Startaufstellung eine Startrevolte angezettelt. Die Situation war in Sekunden so eskaliert, dass sich die Rennleitung genötigt sah, den regulären Startvorgang aus Sicherheitsgründen abzubrechen – und neu anzusetzen.
Marquez hatte damit das Interesse der Mehrzahl der Piloten befriedigt, die in den letzten Minuten die falsche Reifenentscheidung – Regen statt Slick – getroffen hatten. Bestraft wurden durch den Abbruch die wenigen, die alles richtig gemacht hatten. Trackhouse Racing hatte Ai Ogura bereits in der Besichtigungsrunde auf profillosen Gummis scouten lassen und dann mit dem Piloten auf Slicks gesetzt.
Noch vor dem Neustart war Brivio vor den Mikrofonen ausgeflippt: «Ich bin ehrlich gesagt super verärgert, denn so managt man nicht den Start eines Rennens!»
Der Boss der Trackhouse-Mannschaft, die in Austin das Heimspiel des Projekts feierte, erklärte weiter: «Wir sind in Risiko gegangen und haben die richtige Entscheidung getroffen, und als es Zeit war, das Rennen zu starten, haben sie alles gestoppt, weil einige Fahrer die Startaufstellung verlassen haben – und zwar jene, die eine falsche Entscheidung getroffen hatten!
Brivio in voller Rage: «Warum durften wir das Rennen nicht mit der richtigen Wahl starten? Jetzt ist alles verloren. Wir haben ein Risiko eingegangen, wir haben die richtige Entscheidung getroffen und jetzt ist alles … »Wie auch immer …»
Der Protest des Italieners ist nachvollziehbar. Denn hätte sich die Rennleitung strikt an das Regelwerk gehalten und das Rennen pünktlich als Regenrennen gestartet, so wären die neun geflüchteten Piloten inklusive Marc Marquez zunächst aus der Boxengasse in die Aufwärmrunde gestartet und hätten dann während des Rennens eine Durchfahrtstraße absitzen müssen. Sicher ist auch: Wenn neun Piloten, darunter die versammelte erste Startreihe, im Speed-Limiter einmal durch die Boxengasse fahren, so hat das auch einen Einfluss auf das Ergebnis.
Dass der souveräne Davide Brivio in dieser Situation mit einem hohen Puls zu kämpfen hatte, überrascht nicht. Mit der gesamten Trackhouse-Mannschaft träumte Brivio von einer Siegesfahrt beim Heim-Grand-Prix. Die wurde auch dadurch verhindert, dass sich die Rennleitung über ihre eigenen Regeln hinwegsetzte und den Sicherheitsriegel vorschob.
Auch Ai Ogura ließ den Kopf hängen: «Ich finde es sehr schade für mein Team, denn sie haben die richtige Wahl getroffen», war der 24-Jährige enttäuscht. »Am Ende ist das passiert: Wer die richtige Entscheidung traf, hat nichts gewonnen, und wer die falsche Entscheidung traf, hat nichts verloren.»