Abgelenkt: Di Giannantonio als MotoGP-Schauspieler?

Fabio Di Giannantonio feiert Platz 3 beim US-GP in Austin
Die Geschichte von Fabio Di Giannantonio in der jüngeren Vergangenheit ist eng verknüpft mit seiner Krankenakte. Seit seinem Crash während des Österreich-Grand-Prix auf dem Red Bull Ring im August 2024 hangelte sich der Römer von Arzttermin zu Arzttermin.
Nach dem grünen Licht der Doktoren und erfolgreicher Rehabilitation der demolierten Schulter beschädigte Di Giannantonio gleich am ersten Tag seines Test-Comebacks erneut seinen Körper: Schlüsselbeinbruch. Seit Monaten ist die erste Frage an den smarten Vertreter der VR46-Racing die gleiche: «Fabio, wie geht es dir, bist du wieder 100 Prozent startklar?»
Wenn auch mit unterschiedlichen Prozentangaben zum Fitnessstand, auch die Antworten des MotoGP-Athleten haben immer die gleiche Kernaussage: «Ich bin noch nicht in Bestform.» Der Muskelaufbau im Oberkörper sei noch ein gutes Stück vom Soll entfernt und auch mangelnde Routine mache sich immer noch bemerkbar, unterstrich der 26-Jährige zuletzt im Vorfeld des US-GP in Austin.
Nach dem Großen Preis schnaufte Fabio Di Giannantonio dann auch auf voller Stufe: «Nie zuvorhat es mich ein Rennen so angestrengt», japste er glücklich in die Aufnahmegeräte. Dadurch, dass der Pilot der Rossi-Mannschaft fünf der sechs offiziellen Testtage verpasst hatte und vor dem ersten GP lediglich einmal mit einem Serien-Superbike in Indonesien ausgerückt ist, ist die Atemlosigkeit der Startnummer 49 nachvollziehbar.
Weniger glaubwürdig scheint allerdings die verminderte Leistungsfähigkeit des dritten offiziellen Ducati-Werksfahrers. Im Fahrerlager war man sich nach der Fahrt Di Giannantonios in Austin einig – unter regulären Bedingungen fährt in der extrem kompetitiven MotoGP kein Pilot aufs Podest, der nicht 100 Prozent einsatzfähig ist. Und schon gar nicht auf dem Circuit of the Americas, der von allen GP-Fahrern als Folterkammer mit Traum-Layout beschrieben wird.
Stand nach sechs von 44 Rennen: Fabio Di Giannantonio liegt in der WM-Tabelle trotz Defiziten auf Position 5. Einem Top-10-Ergebnis beim Hitze-GP in Thailand folgten jeweils über die intensiven GP-Distanzen die Plätze 5 und 3. Nach dem Event in Texas dürfte nun kein Konkurrent mehr daran zweifeln, dass «Diggia» zu 100 Prozent ernst zu nehmen ist.
Die Verletzungen und die damit verbundenen Qualen des Italieners, wieder auf Speed zu kommen, sind unbestritten. Zugleich hat der redegewandte Pilot alles richtig gemacht, die Gegner maximal lange in Sicherheit zu wiegen. Auch das gehört zu den Fähigkeiten eines Spitzenpiloten.
Fabio Di Giannantonio reist in wenigen Tagen mit besten Erinnerungen an die Rennstrecke von Losail. Im Herbst 2023 feierte der damalige Gresini-Pilot seinen ersten MotoGP-Sieg und beendete damit seine sportliche Rehabilitation in der Königsklasse. Nächstes Ziel: Teamkollege, Landsmann und Nachbar Franco Morbidelli, der in der Tabelle direkt vor ihm liegt. Auf den bislang noch konstanteren VR46-Partner fehlen 11 Punkte.
WM-Stand nach 6 von 44 Rennen:
1. A. Marquez, 87 Punkte. 2. M. Marquez 86. 3. Bagnaia 75. 4. Morbidelli 55. 5. Di Giannantonio 44. 6. Ogura 25. 7. Zarco 25. 8. Bezzecchi 24. 9. Marini 20. 10. Miller 19. 11. Binder 19. 12. Bastianini 16. 13. Acosta 16. 14. Quartararo 16. 15. Mir 10. 16. Rins 10. 17. Viñales 6. 18. R. Fernandez 25. 19. Aldeguer 3. 20. A. Fernandez 3. 21. Oliveira 2. 22. Savadori 1. 23. Chantra 0.
Konstrukteurs-WM:
1. Ducati, 111 Punkte. 2. Honda 36. 3. KTM 34. 4. Aprilia 33. 5. Yamaha 28.
Team-WM:
1. Ducati Lenovo Team, 161 Punkte. 2. Pertamina Enduro VR46 Racing 99. 3. BK8 Gresini Racing 90. 4. Red Bull KTM Factory Racing 35. 5. Trackhouse MotoGP Team 30. 6. Honda HRC Castrol Team 30. 7. Monster Energy Yamaha 26. 8. Aprilia Racing 25. 9. LCR Honda Castrol 25. 10. Prima Pramac Yamaha Racing 24. 11. Red Bull KTM Tech3 22.