Intact-Moto2-Drama nach «krasser Fehlentscheidung»
Intact-GP-Neuzugang Manuel Gonzalez war als WM-Führender bester Dinge nach Texas gereist. Mit 45 Zählern hätte der Saisonstart für den Spanier im deutschen Team kaum besser laufen können. So ließen sich weder Teamchef Jürgen Lingg noch Manuel Gonzalez vom schlechten Wetter und den im Vergleich zu Jake Dixon schlechteren Rundenzeiten im Zeittraining nervös machen.
Jürgen Lingg: «Korrekt ist, dass es im Nassen zunächst nicht so gut lief. Manu hatte erstmals nicht das gleiche Wohlgefühl wie zuletzt auf trockener Piste. Wir hätten uns da gemeinsam noch nach vorne arbeiten müssen.»
Doch dazu kam es nicht. Am Samstag schien die Sonne – und «alles war wieder gut», bestätigte auch der Intact-GP-Chef. Gonzales deklassierte die Konkurrenz im Q1 und zog auch mit Selbstbewusstsein in der entscheidenden Qualifikation bis auf Platz 2 durch. Damit stand Gonzalez neben Marc-VDS-Ass Jake Dixon und alles deutete auf ein Duell um die WM-Führung hin.
Doch das Wetter verhielt sich so eindeutig zweideutig, dass die beiden Schnellsten auf unterschiedliche Reifenstrategien setzten. Während der Brite «Regen» aufziehen ließ, war man bei Intact gemeinsam zu einer anderen Entscheidung gekommen. In den Kalex-Rennern von Manuel Gonzalez und Senna Agius steckten Slicks, als es auf einer nur feuchten, aber nicht nassen Strecke in die Aufwärmrunde ging.»
Jürgen Lingg: «Für uns war es nicht mal ein Reifenpoker. Wir waren uns sicher, dass es nicht mehr regnen würde und dass die Piste in jedem Fall während des Rennens abtrocknen würde. Manuel sah sich zudem an die Situation in Japan 2024 erinnert. Damals konnte er in einer ähnlichen Situation profitieren. Er hatte das Selbstbewusstsein, und dann haben wir uns gemeinsam für Slicks entschieden – auch wenn wir natürlich gesehen haben, dass mindestens 75 Prozent auf Regen gesetzt hatten.»
Recht behielt der Allgäuer mit der Vorhersage, dass kein weiterer Regen einsetzen würde; doch die Rennstrecke wollte einfach nicht abtrocknen. Als zur Halbzeit des Laufes über 16 Runden immer noch keine trockene Linie entstanden war, stand fest, dass der Sieger an diesem Tag nicht aus dem Intact-Team kommen würde. Gonzalez und Agius kamen in Sachen Rundenzeiten so unter die Räder, dass sich das dominierende Duo des Saisonauftakts von der Spitze überrunden lassen musste. Ironie des Schicksals: Die schnellsten Rennrunden gingen dennoch an die Intact-Besetzung. Doch als die eine trockene Slicks rechtfertigte, war das Rennen vorbei. Null Punkte, WM-Führung futsch.
Entsprechend niedergeschlagen ging es in der Box des deutschen Rennstalls zu. Lingg: «Es gibt da nichts dran zu rütteln. Es war eine krasse Fehlentscheidung. Zu der müssen wir stehen, auch wenn jetzt wie die Deppen dastehen. Es hilft nichts, dass wir die richtige Entscheidung zum falschen Rennen getroffen haben. Im MotoGP-Rennen war es dann genau andersherum. Kleinste Unterschiede bei der Temperatur haben gereicht, dass es dort ganz schnell getrocknet ist. Aber wir können es nicht ändern. Mit Blick auf die Saison ist nichts verloren, wir stehen weiter sehr gut da und wir lassen uns von der Situation sicher nicht deprimieren.»
Selbstkritisch merkte der erfahrene Teamchef noch an: «Wir hatten auch überlegt, Manuel auf Slicks und Senna mit Regenreifen starten zu lassen, aber am Ende haben wir es gemeinsam so gewollt.»
Konsequenz der Zielankunft in Austin auf den Rängen 22 und 23: Manuel Gonzalez rutschte von Position 1 auf 3 der Tabelle. Jake Dixon und Aron Canet liegen in Front. Youngster Agius erwischte es noch ärger. Der Australier kam als Fünfter am Circuit of the Americas an und verabschiedete sich auf Position 9.