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Neu: Silverstone, Heimat des britischen Motorsports

Von Mathias Brunner
​13. Mai 1950: Die Formel-1-WM feiert Premiere, auf dem früheren Kriegsflugfeld Silverstone. Für die Königsfamilie gibt es in der Königsklasse Stehplätze. Nur eine von vielen Geschichten in einem neuen Buch.

Silverstone 1950, der erste Grosse Preis war es nicht. Den Begriff Grand Prix kannten Renn-Fans damals schon ziemlich lange – er tauchte erstmals 1863 im Zusammenhang mit Pferderennen in Frankreich auf.

Bis heute sind Begriffe aus dem Pferdesport fest in der Rennsprache verankert. In den Boxen stehen keine Vollblüter, sondern die modernsten Rennwagen der Welt, und an der Pole-Position (dem Platz bei einem Pfosten) wartete einst das bestplatzierte Pferd, bevor es ins Rennen ging. Und auch wenn uns seit Jahren kW aufgedrängt wird, sprechen wir bei Automotoren noch immer oft von PS, Pferdestärken.

Grosser Unterschied vom WM-Lauf in Silverstone 1950 zu einem heutigen WM-Lauf: Das Rennen fand an einem Samstag statt – damals waren in Grossbritannien an einem Sonntag keine Sportveranstaltungen gestattet!

Kein Unterschied zu heute: Die bescheidenen Landstrassen in der Gegend von Silverstone wurden von den Fahrzeugen der Besucher so verstopft, dass im Radio Durchsagen gemacht werden mussten, bitteschön nicht zu kommen. Das haben wir in der Silvestone-Neuzeit auch schon erlebt.

Die meisten Menschen liessen sich 1950 davon nicht abhalten, die Schätzungen gehen auseinander, was die Zuschauerzahl angeht, 100.000 dürfte realistisch sein.

Rechtzeitig zur Piste schaffte es die Königsfamilie mit König Georg V. und der späteren Königin Elisabeth II. sowie ihrer Schwester Margaret, die royale Familie erhielt in jeder Kurve eine wenig königlich wirkende Stehtribüne zugeteilt. Vor dem Rennen begrüsste der Monarch die 21 Fahrer mit einem strammen Handschlag.

Das war der Beginn eines denkwürdigen Renntags, und im Laufe der Jahre haben Motorsport-Fans weltweit begonnen, die Strecke als Heimat oder Wiege des britischen Motorsports zu bezeichnen.

Silverstone hat einige der markantesten Kapitel von mehr als 75 Jahren Formel-1-Historie erzeugt, aber Silverstone ist so viel mehr als die Königsklasse des Rennsports. Und das zeigt uns Autor Chas Parker mit dem neuen Buch aus dem Verlag Evro – Silverstone, The Home of British Motor Racing.

Dieses grossartige Buch, das ursprünglich 2013 veröffentlicht wurde und nun in dieser zweiten Auflage mit 64 zusätzlichen Seiten umfassend aktualisiert worden ist, erzählt die gesamte Geschichte von Silverstone – von grossen Rennen, einflussreichen Persönlichkeiten und unvergesslichen Ereignissen.

Die ganze Entwicklung von Silverstone (bedeutet nicht etwa silberner Stein, sondern, basierend auf früherem Englisch, «Waldgebiet») wird ausführlich geschildert. Das Buch ist üppig bebildert und enthält viele Fotos, die bisher selten oder noch nie veröffentlicht wurden.

Mit der vollen Unterstützung des British Racing Drivers' Club (BRDC) und der Silverstone Circuits Ltd. entstanden, ist dies das rundweg beste Werk zur Geschichte der beliebten Heimat des britischen Motorsports, von den Anfängen in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu seinem heutigen Status als Rennstrecke von Weltrang.

Autor Chas Parker tauschte seine Karriere in der Astronomie (als Pressesprecher für das Royal Greenwich Observatory) gegen sein anderes grosses Interesse, den Motorsport. Er arbeitete mehrere Jahre lang als freiberuflicher Redakteur und gelegentlicher Autor für Motorsport News und berichtete häufig über Veranstaltungen wie das Goodwood Festival of Speed, das Goodwood Revival und die Silverstone Classic.

Parker hat bislang 14 Bücher verfasst, darunter eine Geschichte von Brands Hatch sowie Handbücher über den Jaguar D-Type, Bugatti Type 35, Lola T70 und Ford Model T. Er war der Hauptautor von Jaguar C-Type, The Autobiography of XKC 051, das für den RAC Motoring Book of the Year Award 2017 nominierte wurde.

Parker entführt uns in eine andere Welt. Vor allem die Anfänge der Strecke und die goldene Epoche der 60er und 70er Jahre sind überaus faszinierend, die Geschichte dieser unvergleichlichen Rennbahn wird lückenlos erzählt.

Von den Anfängen als Flugplatz zu Kriegszeiten, über die Suche des Royal Automobile Club nach einem Austragungsort für den Motorsport, über den ersten RAC Grand Prix 1948 und obige WM-Premiere von 1950 bis zur Historie Jahrzehnt für Jahrzehnt. Der Autor lässt nichts aus: Streckenänderungen, kommerzielle Entwicklungen, Politik, Höhepunkte und Meilensteine im Laufe der Jahre, wobei Parker Clubveranstaltungen genauso Erwähnung finden wie die grossen Rennen, denkwürdige Momente, Höhen und Tiefen.

Im Zentrum steht immer der Mensch: Parker erzählt ausführlich von Fahrern, Persönlichkeiten oder Kommentatoren, welche die Historie von Silverstone mitgeprägt haben, er hat sich mit Dutzenden von Personen für Interviews zusammengesetzt.

Aktualisiertes Material enthält einen Bericht über die langwierigen Verhandlungen mit Formel-1-Besitzer Liberty Media über den Vertrag zur Austragung des Grossen Preises von Großbritannien, Änderungen im Management der Rennstrecke und den Verkauf von Grundstücken zur Rückzahlung von Darlehen. Mit der Unterzeichnung eines neuen Zehnjahresvertrags für den Grand Prix im Jahr 2024 und der Entwicklung des Silverstone-Museums sowie anderer wichtiger neuer Projekte wird die Geschichte auf den neuesten Stand gebracht.

Wer sich für Formel-1-Historie im Allgemeinen interessiert, für den ist dieses Buch eine wunderbare Quelle an Informationen; wer sich im Besonderen mit der Geschichte von Silverstone befasst, für den ist dieses Buch unverzichtbar. Wir können es wärmstens empfehlen.

Das Wichtigste in Kürze

Chas Parker: Silverstone – The Home of British Motor Racing
Second Edition
Aus dem Verlag Evro, England
ISBN: 978-1-910505-92-2
Text in englischer Sprache
Format 28 x 23 cm
352 Seiten
Mehr als 300 Fotos
Für rund 75 Euro im Fachhandel oder direkt bei Evro

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