Yamaha-Pilot Alex Rins oder der zweite «Mr. America»
Keine Frage, sieben MotoGP-Siege von Marc Marquez sind an Strahlkraft nicht zu überbieten. Lange galt der sechsfache Regent der Königsklasse auf der 5,5 km langen Achterbahn von Austin als unbezwingbar.
Alex Rins, seit 2024 in Diensten von Yamaha in der Topliga der Motorrad-WM, steht mit zwei MotoGP-Siegen auf den ersten Blick im Schatten von «MM93». Doch der Katalane Rins überflügelt seinen Landsmann gleich in zwei aussagekräftigen Disziplinen der Grand-Prix-Geschichte.
So ist Rins der einzige MotoGP-Pilot, der in Austin in der Königsklasse mit zwei Herstellern triumphierte. Nach seinem Sieg für Suzuki 2019 stand er auf der GP-Suzuki drei Jahre später wieder auf dem Podium, um 2023 als Sieger für LCR-Honda gefeiert zu werden.
Und: Nur Alex Rins gelang es in Austin in allen GP-Klassen, ganz oben auf dem Podest zu stehen. Als 17-Jähriger gewann Alex Rins überhaupt den allerersten GP-Lauf in Austin/Texas. Rins gewann auf der Moto3-Honda und trug sich 2013 in die noch leere Liste des Circuits ein.
2016 setzte Rins nach und bewies auf der Moto2 der Pons-Mannschaft endgültig sein Talent für die außergewöhnliche Piste in Texas. Mit sechs Podestplätzen hat sich Rins damit ebenfalls einen Sonderstatus beim Grand Prix der USA erarbeitet.
Ernüchternd verlief dagegen die Premiere mit der Yamaha M1. 2024 fuhr der Katalane weit unter seinen Möglichkeiten. Nach einem punktelosen Sprint stürzte Rins zur Mitte des GP-Events ins Aus. Geschuldet war der sportliche Ausfall zum Teil den noch immer nachklingenden Verletzungen aus dem Sommer 2023 – auf der Piste von Austin ist körperliche Schwäche durch nichts auszugleichen.
Da sich der immer noch stark humpelnde Rins als 100-Prozent-MotoGP-tauglich betrachtet, soll es für den Austin-Spezialisten am kommenden Wochenende wieder aufwärts gehen. Rins: «Nach dem Argentinien-GP bin ich kurz nach Hause gefahren, um Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Aber jetzt freue ich mich, am COTA anzukommen, denn es ist eine Strecke, die ich sehr mag. Ich habe einige ganz besondere Erinnerungen an diesen Ort, und die Fans sind auch sehr unterstützend, so dass der GP von Amerika immer ein besonderes Ereignis ist.»
Der 29-Jährige ist sich der großen Aufgabe bewusst: «Allerdings ist COTA eine der technischeren Strecken auf dem Circuit, so dass wir hart arbeiten müssen, um die richtige Abstimmung zu finden. Wir haben in Argentinien die Bereiche ermittelt, in denen wir uns verbessern müssen, also werden wir versuchen, an diesem Wochenende etwas zu finden.»
Wie auch Teamkollege Fabio Quartararo litt auch Rins zuletzt unter deutlich nachlassender Haftung des M1-Pakets mit steigender Rundenzahl. Bedrückend: In vier Rennen erbeutete Rins nur fünf WM-Punkte – Platz 16 direkt hinter Quartararo.
Für Alex Rins geht es in Texas darum, seinen Ruf als US-Spezialist zu verteidigen – für Yamaha um den Anschluss ans MotoGP-Feld. Der letzte Platz in der Herstellerwertung verhält sich entgegengesetzt zu den durchweg positiv verlaufenen Vorsaisontests.