Stuck, Heyer & Co: Kleines Spielzeug für vier Große

Ungewöhnliches Kräftemessen
Das wäre einen interessanten Versuch wert: Vier Rennprofis der Spitzenklasse dazu gewinnen, sich im Rahmen der strengen vorgegebenen Abläufe eines Rennwochenende an einem Spielchen abseits des Renngeschehens zu beteiligen. Man stelle sich also vor, vier solche Stars würden Driver-Meetings, Briefings, Debriefings, Diskussionen mit Ingenieuren, Sponsorentermine und Ähnliches einfach mal hinter sich lassen, sie träfen sich an anderer Stelle, um …
Die Geschichte geht so: Am Telefon meldete sich ein gewisser Hans Ludwig Walther (vom Deutschen Minicar Club): «Wenn Sie mir vier Top-Fahrer aus der Deutschen Rennsport-Meisterschaft bringen, habe ich eine tolle Story für Sie.»
Es fiel mir leicht, Hans Heyer, Hans-Joachim Stuck, Harald Ertl und John Fitzpatrick für den Spaß zu gewinnen – jawohl, das ging damals noch.
Eine aus mehreren Gründen erfreuliche Koinzidenz: Die Profis waren einfach so nett, unsere Idee von einer einmal etwas anderen Geschichte zu unterstützen.
Andererseits – so mögen sie sich gedacht haben – würde die Teilnahme an dieser hübschen Geschichte dem eigenen Image nur zuträglich sein. Und schließlich sollte unsere Leserschaft in den Genuss einer aus dem üblichen Geschehen herausfallende Geschichte kommen, was uns als Medium gut zu Gesicht stand.
Heute würde man sagen: eine typische win-win-Situation.
Oder war es schlicht der Beweis für ein gutes Verhältnis zwischen Profis der rennenden und der schreibenden Zunft?
Wir schrieben das Jahr 1980. Am Wochenende 27./28. September ging es darum, wer neuer Meister würde – Stuck oder Heyer. Und dennoch fanden sie Zeit. Mein Artikel in «rallye racing» – übrigens mein Abschieds-Story – las sich dann so:
In dem Rechtsbogen am Ende der Querspange des Hockenheimer Motodroms wurde es mulmig. Ein fürchterlicher Crash lag in der Luft. Zum ersten Mal fuhren Wagen der großen und kleinen Division der Rennsportmeisterschaft mit leistungsgleichen Motoren. Und dann das: Hans Stucks schwarzer Schnitzer BMW 320 raste viel zu schnell über die Piste. Von links näherte sich wildschlingend der blauweise BMW M, an dessen Lenkrad sich Hans Heyer vergeblich mühte, das Unabwendbare zu verhindern. Harald Ertls Zakspeed Ford Capri rutschte völlig unkontrolliert auf die beiden anderen Boliden zu und John Fitzpatrick machte das Treffen perfekt, indem er seinen Kremer Porsche 935 so gekonnt in die sich gerade verkeilende Konkurrenz knallte, dass alle vier Wagen, als hätte eine Riesenfaust dazwischengeschlagen, fast einen Meter in die Luft und dann auseinander flogen. Die Piloten standen zwölf Meter vom Ort des Geschehens entfernt und bogen sich vor Lachen.
Ich hatte die Vier gebeten, ferngesteuerte Miniaturen ihrer Original-Boliden auszuprobieren – also 3,5 ccm Hubraum, knapp über eine Pferdestärke, 30.000 Umdrehungen pro Minute, Beschleunigung von 0 auf 100 in 3,5 Sekunden und Spitzengeschwindigkeit 115 km/h. (Anmerkung: Für Hans Heyer stand anstelle seines Meisterschafts-Lancia, der im Gegensatz zum Original noch nicht recht einsatzbereit war, sein Procar-M1 zur Verfügung.)
Weiter im Text:
Alle vier hatten riesigen Spaß im Umgang mit den nicht gerade leicht zu manövrierenden Kleinen. Und hätten wir sie nicht auf ihre Trainingspflichten mit ihren großen Aufmerksam gemacht – vielleicht stünden sie noch jetzt in dem Rechtsbogen am Ende der alten Querspange, um zu spielen.
Was waren das für Zeiten!