Neue Sitzaufpralldämpfung setzt Maßstäbe in W2RC
Die W2RC-Marathon-Weltmeisterschaft 2025 bietet einen bedeutenden Fortschritt in der Sicherheit der Fahrerbesatzungen. Forschung, Entwicklung bis hin zur vollständigen Einführung fand unter Leitung der FIA statt. Die nach neuen Sicherheitsvorgaben entwickelte Sitzaufpralldämpfung kam im Vorjahr erstmals im Dacia Sandrider bei der Marathon-Rallye du Maroc zum Einsatz. Aktuell noch optional ist das Sicherheitssystem an allen neuen T1-Fahrzeugen ab 2027 vorgeschrieben.
Die Disziplin der Marathon-Rallye stellt zweifellos eine der spektakulärsten und extremsten Formen des Motorsports mit einzigartig besonderen Herausforderungen an die Sicherheitssysteme. Das permanente Streben der FIA, die Sicherheit im Motorsport zu verbessern, bedeutet, dass sie ständig Daten aus ihren Wettbewerben prüft und analysiert. Die Forschung und Entwicklung des Sitzaufpralldämpfers ist ein Ergebnis dieser laufenden Bemühungen.
Die Sicherheitsvorschrift, die von der FIA mit finanzieller Unterstützung der FIA-Stiftung entwickelt wurde, soll Fahrer und Beifahrer vor Wirbelsäulenkompressionsverletzungen schützen, die durch eine harte Landung bei einem Sprung verursacht werden können. Die Fahrersitze im Auto werden jetzt an einem speziellen Dämpfer aufgehängt, der die Aufprallenergie absorbiert.
Anhand von realen Daten aus Unfällen mit einer harten Landung, die in der FIA-Weltunfalldatenbank erfasst sind, definierten die Experten einen repräsentativen «schweren Aufprallimpuls» als Zielvorgabe für das Projekt. Der Aufprallimpuls wurde dabei mit einer Spitze von 40 g bestimmt, ausgerichtet in einem Winkel von 58 Grad zur horizontalen Achse.
Dieser Aufprallimpuls wurde dann in Simulationen verwendet um die besten Kraftverschiebungseigenschaften für die in den Wettbewerbsfahrzeugen eingebauten Sitze zu definieren. Daraus wurde der Dämpfungsmechanismus entwickelt, mit dem die Sitze nun verbunden werden.
Nach der Verfeinerung durch Simulationen wurde ein optimales Design für den Aufpralldämpfer hergestellt. In Labortests konnte festgestellt werden, dass eine Verringerung der Kräfte auf die Fahrer um etwa 50 Prozent erzielt werden konnte.
Der nächste Schritt des Projekts bestand darin, dass die FIA die Firma Prodrive bei der Entwicklung eines so gefederten Sitzes unterstützte. Dieser ist über den spezifizierten Dämpfer mit dem Überrollkäfig verbunden. Das System wurde erstmals bei der Rallye du Maroc 2024 eingesetzt. Bei der Überwachung der Daten während der realen Testphase wurde festgestellt, dass die Vorrichtung wie erwartet funktioniert und erhebliche Sicherheitsvorteile bietet.
Der FIA-Sitzaufpralldämpfung, der nun in den Dacia Sandriders und ab 2027 in den neuen T1-Fahrzeugen der Rallye-Raid-Weltmeisterschaft zum Einsatz kommt, stellt das jüngste Beispiel für das kontinuierliche Engagement der FIA zur Verbesserung der Sicherheit im Motorsport dar.
Xavier Mestelan Pinon, Technischer Leiter und Sicherheitsbeauftragter der FIA, sagte: «Das Projekt der Sitzaufpralldämpfing ist etwas, auf das wir sehr stolz sind. Es ist ein wirklich bedeutender Schritt in Bezug auf die Sicherheit in der W2RC, wo die Autos und die Besatzungen unter einigen der extremsten Bedingungen in der Motorsportwelt antreten. Eine so große Verbesserung des Schutzes vor möglichen Wirbelsäulenverletzungen ist etwas sehr Wichtiges für die Teilnehmer. Es ist ein FIA-Sicherheitsprojekt, in der Art wie wir es mit der Unterstützung der FIA-Foundation auch in all unseren Meisterschaften weiteren verfolgen werden».
Der FIA-Leiter für Forschung und Fahrzeugsicherheit, Marco Petrilli, kommentierte: «Dies ist ein wirklich fantastisches Projekt. Die Daten sind unser Antrieb und wir haben festgestellt, dass wir in diesem Bereich für die Crews einige bedeutende Sicherheitsvorteile erzielen können. Anhand der FIA World Accident Database konnten wir definieren, wie eine typische High-Impact-Landung aussieht, die zu einer Wirbelsäulenverletzung führen kann. Diese Informationen nutzten wir, um unsere Ziele für den Sitzdämpfer festzulegen. Die Anforderungen an das System konnten wir mit umfangreichen Simulationen definieren».
Der leitende Forschungsingenieur und CAE-Manager der FIA, Paolo Panichelli, ergänzte: «Der Erfolg dieses Projekts wurde wesentlich durch den Einsatz der numerischen Simulationen mit virtuellen Testpuppen unterstützt, um die optimalen Eigenschaften des Dämpfungssystems zu definieren. Mit den Simulationen konnte die Entwicklung ohne umfangreiche Versuchskampagnen erfolgreich abgeschlossen werden“.