Lewis Hamilton (Ferrari): «Vettel hatte es leichter»
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Lewis Hamilton
Im Laufe der Jahre musste sich Lewis Hamilton, der erfolgreichste Formel-1-Fahrer von allen, so Einiges anhören. Der langjährige Serien-Promoter Bernie Ecclestone unterstellte dem Ausnahme-Rennfahrer wiederholt, sich von seinen ganzen Hobbies abseits der GP-Pisten zu sehr ablenken zu lassen. Und dass Hamilton in einem Team, das sich hinter Leclerc schare, viele Feinde haben werde.
Der dreifache Weltmeister Jackie Stewart dichtete Hamilton mangelnden Siegeshunger an. Das Timing für den Schotten für diese Unterstellung war ein wenig unglücklich – denn Stewart sagte das kurz bevor Hamilton 2024 seinen Heim-GP von Silverstone gewann.
Der frühere Formel-1-Rennstallbesitzer Eddie Jordan bezeichnete den Wechsel von Hamilton zu Ferrari sogar als selbstmörderisch. Seither hat der geschwätzige Ire seine Meinung ein wenig geändert.
Und nach den ersten Tests mit dem 2025er Ferrari kursierten in Italien widersprüchliche Geschichten: In einigen war zu lesen, dass der neue SF-25 besser zum Fahrstil von Charles Leclerc passe, in anderen behaupteten die Berichterstatter exakt das Gegenteil.
Böse Gerüchte lassen Lewis Hamilton völlig kalt. Er sagt im Magazin Time: «Ich habe Negativität immer mit offenen Armen empfangen. Ich antworte grundsätzlich nie auf Kommentare von in der Regel alten, weissen Männern über meine Karriere oder darüber, was ich tun oder lassen sollte. Für mich geht es nur darum, wie ich mich gebe und was ich auf der Rennstrecke zeige, dann lösen sich solche Geschichten in der Regel in Luft auf. Und solche Kommentare reizen mich auch, die Leute vom Gegenteil ihrer Behauptungen zu überzeugen.»
Letztlich zählt nur, was die Stoppuhr zeigt. Was also sagt Lewis Hamilton über die Arbeit von Ferrari auf dem Bahrain International Circuit?
Der 105-fache GP-Sieger antwortet: «Diese Tage sind irre schnell verflogen. Hier wird der Grundstein für die Saison gelegt, wir versuchen, so viel als möglich zu lernen. Für mich ist die Lernstufe gemessen an Charles steiler. Ich will schneller und effizienter werden bei der Arbeit mit der Scuderia.»
«Ich bin jetzt drei verschiedene Ferrari-Modelle gefahren. Sie fühlen sich sehr unterschiedlich an. Aber ich finde es erfrischend, mich an die Autos anzupassen. Sogar die Motoren hören sich im Wagen anders an. Ich spüre, dass Ferrari eine erstklassige Antriebseinheit hat, gemessen an meiner Erfahrung mit Mercedes. Bislang läuft alles fabelhaft.»
«Ich bin noch immer kein Fan von Testfahrten, aber das ist dieses Mal anders, weil alles für mich neu und erfrischend ist. Es ist noch nicht so, dass ich mich perfekt wohlfühle im neuen Wagen, das dauert noch ein wenig, aber dafür sind ja Tests da.»
«Ich weiss, da kommt von mir im Ferrari noch viel mehr. Aber die Erfahrung mit den Vorjahresrennwagen waren eine gute Basis für die Arbeit mit dem 2025er Auto. Als Sebastian Vettel damals bei Ferrari begonnen hat, konnte er schon im November für die Italiener fahren, Seb hatte es da ein wenig leichter. Das ist heute leider nicht mehr möglich. Aber auch das macht einen Reiz meiner Aufgabe aus, ins kalte Wasser springen und versuchen, das Beste rauszuholen.»
Wo steht Ferrari? Lewis: «McLaren war am ersten Tag ausgezeichnet, Max war heute sehr flott unterwegs. Ich erwarte von McLaren und RBR nach ihren Siegen im Konstrukteurs-Pokal viel Gegenwind. Aber keiner weiss, welche Spritlast die Fahrer nun beim Test an Bord hatten. Ich habe noch keinen Dauerlauf erledigt, das steht hier am Nachmittag auf dem Programm. Dann werde ich schlauer sein. Aber ich weiss, dass wir Arbeit vor uns haben.»
Welches Bauchgefühl gibt der Ferrari SF-25? Lewis: «Ich habe aus den vergangenen Jahren mit Mercedes gelernt, dass du nicht zu viel auf Erkenntnisse der Wintertests geben solltest. Vor der Flügelauto-Ära war es einfacher, ein Auto einzuschätzen. Aber ich kann festhalten – ich habe ein besseres Gefühl als in den vergangenen Jahren.»
Bahrain-Wintertest, Freitag, 28. Februar, 12 Uhr MEZ
01. Charles Leclerc (MC), Ferrari, 1:30,811 min (66 Runden)
02. Kimi Antonelli (I), Mercedes, 1:30,888 (61)
03. Lando Norris (GB), McLaren, 1:30,943 (57)
04. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing, 1:31,209 (47)
05. Jack Doohan (AUS), Alpine, 1:31,239 (61)
06. Alex Albon (T), Williams, 1:31,444 (58)
07. Isack Hadjar (F), Racing Bulls, 1:31,761 (73)
08. Fernando Alonso (E), Aston Martin, 1:32,084 (50)
09. Gabriel Bortoleto (BR), Sauber, 1:32,225 (35)
10. Oliver Bearman (GB), Haas, 1:32,361 (59)