Honda CB1000F: Wiedererweckung der Bol d’Or?
Das Design des serienreif anmutenden Konzeptmotorrads zitiert klar die 900er Bol d’Or. Den jüngeren SPEEDWEEK-Lesern sei an dieser Stelle mitgeteilt, dass die Bol d’Or bei ihrem Erscheinen auch auf dem deutschen Motorradmarkt einschlug wie eine Bombe. Der luftgekühlte Vierzylinder kombinierte Leistung bei hoher Drehzahl mit Drehmoment über ein breites Drehzahlband, das Fahrwerk agierte bei sportlicher Fahrweise eher äh, mittelprächtig.
Das Design der sportlichen, unverkleideten Tourenmaschine mit dem Übergang vom Tank in die Seitenteile traf den Geschmack der Zeit. Und ja, die in Europa verwendete Zusatz-Modellbezeichnung Bol d’Or: Honda gewann das prestigeträchtige Langstreckenrennen über 24 Stunden erstmals 1972 und bis zur Markteinführung 1979 weitere fünf Mal.
Nun löst Honda mit einem Konzeptmotorrad auf der Basis der CB1000 Hornet bei gesetzteren Semestern hochgradige Nervosität aus. Der Übergang Tank-Seitendeckel entspricht dem damaligen Design, und auch der Beckbürzel ist wieder da, ebenso die zwei Hupen an der unteren Gabelbrücke, der runde Scheinwerfer (nun in LED-Technik) und das eckige Rücklicht.
Das Fahrwerk mit Stahlrahmen, USD-Gabel und Aluschwinge mit Zentralfederbein stammt ebenso von der Hornet wie der flüssigkeitsgekühlte 1000er Vierzylinder, der vor einiger Zeit für die 2017er Fireblade konstruiert wurde. In der Hornet leistet er 152 PS bei 11.000/min und 104 Nm bei 9000/min unter Einhaltung von Euro5+. Möglich, dass Honda die Spitzenleistung reduziert zugunsten von mehr Durchzug aus tiefen und mittleren Drehzahlen.
An Elektronik kann die aktuelle Hornet drei Fahrmodi und zwei weitere frei programmierbare User-Modes vorweisen, dazu drei Motormodi, drei Motorbrems-Level und eine Wheelie-Kontrolle. Das ABS und die vierfach einstellbare Traktionskontrolle funktionieren ohne Schräglagen-Sensor.
Ein dickes Plus der Hornet ist ihr moderates Gewicht von 211 kg. Damit dürfte die moderne Bol d’Or auf dieser technischen Basis wesentlich leichter geraten als das historische Vorbild, das bei unterdimensioniertem Fahrwerk gegen 260 kg wog. Ob Honda die moderne Bol d’Or auf den Markt bringen wird und wenn ja, wann und zu welchem Preis, ist derzeit Gegenstand von Spekulationen. Honda schweigt und lässt uns zappeln.