Sturzgebeutelt: Aprilia sucht das Glück in der Wüste
Mit Jorge Martin und Marco Bezzecchi feierte Aprilia Racing im Januar in Mailand einen emotional aufgeladenen Start in die MotoGP-Saison 2025. Mit den beiden extrem motivierten Athleten sowie dem ebenfalls neuen Technik-Chef Fabiano Sterlacchini wehte weit mehr als nur ein laues Lüftchen durch das Projekt der zweiten Kraft aus Italien.
Wenn auch nicht aus dem Stand – so wollte man sich in Noale schnell in Stellung bringen, um einen seriösen Angriff auf die so überlegene Konkurrenz aus Bologna zu starten. Sterlacchini, Martin, Bezzecchi – alle drei kennen die Stärken und wenigen Schwächen bei Ducati bestens.
Schon am ersten Tag der wichtigen Wintertest-Phase wurde der vermeintlich größte Stützpfeiler mit Namen Jorge Martin aus dem Projekt genommen. In einer außergewöhnlichen Verkettung von Umständen, die mehr als unglücklich waren, fiel der verletzte Weltmeister bis zum heutigen Tag aus. In Katar wird sich Jorge Martin erstmals wieder auf die RS-GP setzen. Wie lange der Champion benötigt, um mit vollem Vertrauen am Limit zu operieren, ist nicht abzusehen.
Sicher ist nur: Die Angst vor neuen Verletzungen wird erst von Bord der Werks-Aprilia gehen, wenn der «Martintor» in körperlicher Bestform ist.
Die hat sich Marco Bezzecchi bislang bewahren können. Und das, obwohl Bezzecchi nach drei MotoGP-Runden unangefochtener Spitzenreiter der Sturzstatistik ist. Fünf Abflüge mögen für einen MotoGP-Profi nicht außergewöhnlich sein, doch in der frühen Phase der Saison belegt die Zahl die sehr hohe Risikofreude des Italieners. Zum Vergleich: Sieben Kollegen der Klasse, darunter WM-Spitzenreiter Alex Marquez, kamen bislang ohne einen einzigen Crash durch die Veranstaltungen. Selbst Marc Marquez als etablierter Vielstürzer hielt sich mit zwei Niedergängen zurück.
Sehr genau wird man sich in Noale auch mit den Ursachen auseinandersetzen. Von Tag 1 schwärmten die Neuzugänge der Aprilia-Werksmannschaft von der sensationellen Kontrolle der RS-GP am Vorderrad. Jorge Martins Schicksal in Sepang wurde jeweils von abrupt abreißendem Grip am Hinterrad eingeläutet und auch Marco Bezzecchi erlebte zuletzt in den USA, wenn auch auf nasser Straße, einen wilden Crash, nachdem die hintere Abteilung der RS-GP den Kontakt zur Piste verloren hatte.
Dass die Aprilia per Definition kein heimtückisches MotoGP-Bike ist dokumentiert Rookie Ai Ogura auf Tabellenplatz 6. Mit zwei Stürzen bei den GP-Events und nur einem Ausrutscher in Sepang ist der Japaner bislang nicht übermäßig materialmordend unterwegs.
Gleiches gilt auch für den Ersatzpiloten des Weltmeisters. Lorenzo Savadori, seit dem ersten Testtag im Akkordeinsatz unterwegs, hielt sich komplett schadlos. Aber: Savadori wird auch nicht auf die Piste geschickt, um Bestzeiten zu holen, es geht ausschließlich um eine präzise Weiterentwicklung der RS-GP– für Jorge Martin.
Anstatt wie ursprünglich geplant nach einigen Rennen der Anpassung mit der Startnummer 1 die Ducati-Mannschaften anzugreifen, bedeutet Runde 4 in der Wüste von Katar einen zweiten Neustart für Massimo Rivola und die seit zweit Monaten dauergebeutelte Mannschaft bei Aprilia Racing.
WM-Stand nach 6 von 44 Rennen:
1. A. Marquez, 87 Punkte. 2. M. Marquez 86. 3. Bagnaia 75. 4. Morbidelli 55. 5. Di Giannantonio 44. 6. Ogura 25. 7. Zarco 25. 8. Bezzecchi 24. 9. Marini 20. 10. Miller 19. 11. Binder 19. 12. Bastianini 16. 13. Acosta 16. 14. Quartararo 16. 15. Mir 10. 16. Rins 10. 17. Viñales 6. 18. R. Fernandez 25. 19. Aldeguer 3. 20. A. Fernandez 3. 21. Oliveira 2. 22. Savadori 1. 23. Chantra 0.
Konstrukteurs-WM:
1. Ducati, 111 Punkte. 2. Honda 36. 3. KTM 34. 4. Aprilia 33. 5. Yamaha 28.
Team-WM:
1. Ducati Lenovo Team, 161 Punkte. 2. Pertamina Enduro VR46 Racing 99. 3. BK8 Gresini Racing 90. 4. Red Bull KTM Factory Racing 35. 5. Trackhouse MotoGP Team 30. 6. Honda HRC Castrol Team 30. 7. Monster Energy Yamaha 26. 8. Aprilia Racing 25. 9. LCR Honda Castrol 25. 10. Prima Pramac Yamaha Racing 24. 11. Red Bull KTM Tech3 22.